Engagement Nr. 25
Bauen für das Klima von morgen

«Wir bauen vielfach noch für das Klima von gestern», sagt der renommierte Klimaforscher Reto Knutti im Gespräch mit Swiss-Architects. Eine Aussage, die klar macht, vor welcher Aufgabe die Bauwirtschaft steht: Gebäude, die heute geplant werden, müssen unter den klimatischen Bedingungen der kommenden Jahrzehnte bestehen.

Klimawissen wird zur Planungsgrundlage
Die Folgen des Klimawandels werden auch in der Schweiz immer deutlicher spürbar. Längere Hitzeperioden, steigende Temperaturen und häufiger auftretende Wetterextreme verändern die Anforderungen an unsere Städte und Gebäude.

Im Interview zeigt Reto Knutti auf, weshalb Architektur und Raumplanung sich stärker an den zukünftigen klimatischen Realitäten orientieren müssen. Wer heute baut, gestaltet Räume, die möglicherweise noch 2050, 2080 oder darüber hinaus genutzt werden. Klimaschutz und die Anpassung an ein verändertes Klima gehören deshalb von Anfang an in die Planung.

Gebäude müssen Hitze beherrschen
Ein zukunftsfähiges Gebäude soll möglichst wenig Energie verbrauchen und gleichzeitig auch an heissen Tagen angenehme Innenräume bieten. Entscheidend ist, Hitze gar nicht erst unkontrolliert ins Gebäude gelangen zu lassen.

Reto Knutti spricht im Interview auch die Bedeutung von Verschattung an: Gerade in dicht bebauten Städten wird der Umgang mit direkter Sonneneinstrahlung zu einem zentralen Thema. Die Gebäudehülle spielt dabei eine Schlüsselrolle. Aussenliegender Sonnenschutz reduziert den Wärmeeintrag bereits vor dem Fenster und trägt dazu bei, das Raumklima stabil zu halten. Richtig geplant und intelligent gesteuert, verbessert er den sommerlichen Wärmeschutz und kann den Bedarf an energieintensiver Kühlung deutlich senken.
Sonnenschutz wird damit zu einem wichtigen Baustein klimaangepasster Architektur.

Heute planen, was morgen funktionieren muss
Die Bauwirtschaft verfügt bereits über viel Wissen und zahlreiche erprobte Lösungen. Entscheidend ist, sie konsequent einzusetzen. Klimafähiges Bauen beginnt im Entwurf: bei der Ausrichtung, der Gebäudehülle und dem bewussten Umgang mit Sonne, Licht und Wärme.

Das Gespräch mit Reto Knutti zeigt: Die Gebäude von morgen müssen auf ein Klima vorbereitet sein, das sich bereits spürbar verändert hat.

Zum vollständigen Interview bei Swiss-Architects:
«Wir bauen vielfach noch für das Klima von gestern»

Der Beitrag ist im Rahmen unserer redaktionellen Kooperation mit World-Architects entstanden.

Reto Knutti ist Klimaphysiker und Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Er promovierte 2002 in Physik und war mehrere Jahre als Postdoktorand und Gastwissenschaftler am National Center for Atmospheric Research in Boulder, Colorado, tätig. Er war Hauptautor und koordinierender Hauptautor der Berichte des Weltklimarats in den Jahren 2007 und 2013. Knutti hat seine Ergebnisse bei den UN-Klimaverhandlungen und im Expertendialog der UN vorgestellt. In der Schweiz spielte er eine wichtige Rolle bei mehreren Klimaszenarioberichten und verschiedenen nationalen wissenschaftlichen Aktivitäten. Er war Delegierter für Nachhaltigkeit an der ETH Zürich (2015–2022) und Präsident von ProClim (2017–2020). Derzeit ist er Vorsitzender des Zentrums für Klimamodellierung, leitet die Initiative SPEED2ZERO und ist Mitglied zahlreicher Beiräte.

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